19.05.23 - Welten

Ich schaue aus dem Fenster. 
Die Bachstelze sitzt auf dem Dach und wippt mit ihrem langen Schwanz den Rhythmus. 
Die Möwe zieht ihre Bahnen im finnischen Himmel. Seit es warm ist, schreit sie auch dabei.

Es ist Mitte Mai. Der Schnee ist gerade mal geschmolzen und auch das Eis auf dem Meer ist nun fast überall verschwunden. Der Frühling ist endlich da.

Mein Blick schweift, die Gedanken verlieren sich und bleiben hängen bei letzter Woche.

Wir sind mit dem Auto auf dem Weg nach Hause. Mein Max, mittlerweile 7 Jahre alt, hat den Arztbesuch hinter sich gebracht und freut sich auf seinen freien Nachmittag. Wir fahren auf das Meer zu und biegen dann ab, um ein Stück der Strandlinie zu folgen, bevor wir dann wieder verschluckt werden vom finnischen Wald. Er schaut, atmet tief ein und sagt: „Wow, das Meer! Wenn ich das Meer sehe, fühlt es sich ganz frei an innendrin!“ 


Schlagartig überschwemmt mich die Wehmut. Ja. Ich kenne dieses Gefühl auch. Es kommt, wenn ich auf einem Gipfel stehe und mein Blick sich verliert und wieder findet in einem Meer aus Bergspitzen und Himmel. Dann wird es weit in mir, leicht, klar und frei. Wann war ich das letzte Mal ganz oben?

„Ja, Max. Das kenne ich auch. So schön, oder?“ 
Uns verbindet das Gefühl. 
Und wir geben den Welten, die sich da gerade zwischen uns schieben wollen, keine Chance.



Pfiat enk und Hej då -
d' Birgit

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