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Es werden Posts vom Juli, 2023 angezeigt.

31.07.23 - Wir alle sind anders

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Es gibt in der USA das Angebot eines Camps für Kinder und Jugendliche, die stottern. Sein Name ist SAY, also SAG, und wurde ins Leben gerufen von einem Mann, der selber stottert. Im schwedischen Fernsehen war eine Dokumentation davon zu sehen. In diesem Camp ist das Ziel nicht, dass die Kinder weniger stottern bzw. aufhören zu stottern, es geht vielmehr darum, dass sie lernen, sich anzunehmen, wie sie sind, dass sie Raum dafür bekommen, ihre Trauer darüber auszudrücken, dass sie stottern und dass sie sich erleben als Teil einer Gruppe, deren Mitglieder alle dasselbe Thema haben.  Beim Anschauen derselben hat's mich ganz schön gebeutelt. Dieses Mitleid aber auch diese Ungeduld in mir drin, wenn jemand versucht, ein Wort zu sagen, und es nicht schafft, und es immer noch nicht schafft, und es weiter versucht, und es nicht schafft, und dann wird es schlussendlich doch herausgepresst. Die damit verbundene Erleichterung. Und der Satz geht weiter. Und das nächste nicht zu sagende Wort ist...

23.07.23 - Unterschiedliche Bedürfnisse

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"När vi upplever att våra behov och önskningar tas på allvar blir det mindre viktigt för oss att få rätt - och att få vår vilja igenom." / Jesper Juul "Wenn wir erleben, dass unsere Bedürfnisse und Wünsche ernst genommen werden, wird es weniger wichtig für uns, Recht zu behalten - und unseren Willen durchzusetzen." / Jesper Juul Jesper Juul hat zum Glück sehr viele Bücher geschrieben und noch viel mehr Vorträge gehalten und Interviews gegeben. So ist es uns möglich, an seinen Zugängen und Gedanken teilzuhaben, auch lange noch nach seinem Tod. Er war einer der ganz Großen in der pädagogischen und der familientherapeutischen Szene. Seine Ideen sind so umwälzend und revolutionär wie simpel und klar. Zu dem oben genannten Zitat möchte ich gerne eine Geschichte erzählen. Familienurlaub im schwedischen Lappland. Berge.  Mehr brauchts nit, oder? Die Reise war lang und anstrengend, dementsprechend erledigt waren wir am ersten Tag. Da sind uns das Regenwetter und die Kälte s...

14.07.23 - Ein Besuch und wie es gehen könnte

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Max' Nichte ist auf Besuch.  Geheimnisse. Geflüster. Gemeinsame Projekte. Sie spricht Finnisch, er Schwedisch. Und es gibt keine Verständigungsprobleme.  Unglaublich, oder? Ich sitze vor meinem Computer und versuche mich zu konzentrieren, und ertappe mich doch gleichzeitig dabei, wie ich anstatt zu denken und zu schreiben ihnen mit großen Augen und einem Lächeln im Gesicht zuhöre. Kinder sagen Nein.  Und sie meinen Nein. Keine Verletzung. Keine Beleidigung. Kein Ja schon, aber.... Kein Sich-heraus-Winden. Kein Herumgedruckse.  Einfach: Nein.  Und sie hören: Nein. Und machen sich unmittelbar danach auf die Suche nach etwas anderem, das vielleicht ein Ja hervorrufen könnte. Das ist eine Kunst, die es wert ist, sich anzueignen. Das Leben ließe sich bedeutend einfacher bewältigen. Möchtest du eine Polizisten sein? Möchtest du ein Marienkäfer sein? Ich bin auf jeden Fall ein Bandit. Geschichten.  Unfertig.  Im Entstehungsprozess.  Keiner weiß, wohin di...

06.07.23 - Fiktiver Brief einer Jugendlichen an ihre Mutter

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Viele Jugendliche und Kinder leiden an psychischen Problemen. Das finnische Institut für Gesundheit und Wohlfahrt hat im Jahre 2017 (aktualisiert im Jahre 2020) einen Artikel veröffentlicht, welcher von einer erschreckend hohen Zahl von psychisch kranken Jugendlichen spricht.  Bei Interesse: thl.fi/sv/web/psykisk-halsa/psykisk-halsa/psykiska-storningar/psykiska-storningar-hos-unga. Demnach haben 20 - 25 % der Jugendlichen eine Form von psychischer Störung, 10 - 15 % der Jugendlichen haben Selbstmordgedanken und 3 - 5 % haben einen Selbstmordversuch hinter sich. Ich möchte hier einen fiktiven Brief einer fiktiven Jugendlichen an ihre fiktive Mutter veröffentlichen: Liebe Mama! "Gratulation! Ein Mädchen!" haben sie gesagt, als ich herausgekommen bin.  Hauptsache gesund, haben sie gesagt. Papa hat erwartungsvoll geschaut, dann hat er kaum wahrnehmbar geseufzt. Und seinen Fokus hauptsächlich auf sein eigenes Leben gelenkt. Du hingegen hast dich tapfer lächelnd gezeigt. Mit mir im...