27.05.23 - Pfingstgrüße

Max hat seine letzte Geigenstunde vor den Sommerferien.
Wir gehen - wie jeden Freitag vor der Geigenstunde - in "unser" Café. Dieser Caféhausbesuch ist zu einem ein Teil des Geigennachmittags geworden und wir schätzen diese Zeit zu zweit sehr. 

Die Frau, die im Café arbeitet, kennt uns bereits und begrüßt uns wie immer sehr nett und freundlich.

Ich möchte euch gerne am Dialog zwischen Max und der Dame teilhaben lassen:

M: Hallo! Weißt du was? Wir haben heute ein Reh neben der Straße gesehen!
F: Oh, das ist ja wunderbar! Und weißt du was? Meine Wildkamera hat ein Bild von einem Luchs gemacht! Weißt du, was ein Luchs ist?
M: Ja, Luchse kenne ich. Ich habe letzte Woche zwei Waldhasen gesehen. Die sind neben der Straße gestanden und als sie uns gesehen haben, sind sie über die Straße gerannt und haben sich im Wald versteckt.
F: Wow. Und ich, ich habe einen Igel auf der Straße gesehen. Ich habe ihn angefeuert, dass er es schafft, die Straße zu überqueren, ohne niedergefahren zu werden.
M: Und? Hat er es geschafft?
F: Ja, zum Glück!
M: Zum Glück hast du ihn angefeuert! Und ich möchte bitte einen Apfelsaft und diesen Zitronenkuchen.

Nach einer Weile, als Max schon bei Tisch sitzt und die Frau noch meinen Kaffee macht, sagt sie zu mir:
"Weißt du, mir gehts eh immer sehr gut. Aber wenn ich den Max sehe, dann freue ich mich so. Er tut mir einfach gut!"
"Ja, geht mir auch so!", lache ich, nehme meinen Kaffee und gehe zu ihm.

Und ich setze mich zu ihm. Und während er mir davon erzählt, was man alles machen muss, um Drachenexperte werden zu können, schaue ich ihn an. 
Ich schaue ihn an und es denkt in mir: "Wow! Dieser kleine, strahlende, lachende, schöne Mensch, der so hingebungsvoll sein Leben lebt, der gehört echt zu mir!"

Manchmal, wenn ich mir das bewusst mache, dann werde ich ganz schnell ganz demütig. 
Was will ich denn schon erziehen?

Er IST ja schon. Er ist ein - zugegeben noch sehr junger, aber nicht desto trotz - ein vollständiger Mensch. Ein Mensch mit eigenen Gedanken, Sehnsüchten, Wünschen und Werten.

Mich treibt eine Idee um: 
Was wäre, wenn wir unseren Kindern mit zugewandtem Interesse begegnen würden?
Was wäre, wenn wir keine Angst vor unseren Kindern hätten?
Was wäre, wenn wir unseren Kindern vertrauen würden?
Was wäre, wenn wir uns selber vertrauen würden?
Was wäre, wenn wir mit unseren Kindern in Beziehung gehen würden?

Vor lauter Erziehung vergessen wir manchmal, miteinander einfach nur zu sein. 
Uns offen und frei von Vorgefertigtem zu begegnen.
Und uns aneinander zu freuen.

Das Leben ist begrenzt. 
Man darf sich für die Freude und für die Liebe entscheiden.

Pfiat enk und Hej då -
d' Birgit


- der Hüter des Schatzes -

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