30.06.23 - Wenn meine Ängste zu deinen werden
So wie ein Rettungsschwimmer in einer Doku im TV gesagt hat, gehts auch mir.
Er hat sinngemäß gemeint: "Das, was viele Menschen für Schwimmen halten, ist eigentlich nichts weiter als ein Sich-über-dem-Wasser-Halten. Das hat aber noch lange nichts mit Schwimmen zu tun!"
Man könnte meine Art des Schwimmens nicht besser beschreiben. Ich Brust-schwimme. Ich halte also den Kopf immer streng und weit nach oben, was bei größeren Wellen dann schon eine Herausforderung darstellen kann. Geht mein Kopf nämlich unter Wasser oder wird er auch nur kurz von einer Welle angespritzt, bekomme ich Panik.
Somit sind so wunderbare Dinge wie Tauchen, Springen und Wasserrutsche für mich ausgeschlossen.
Eigentlich wurscht, oder?
Nein. Leider nicht. Nämlich dann nicht, wenn ich es bin, die mit Max unterwegs ist.
Nicht, wenn wir zusammen im Wasser sind. Da sind wir ja eh schon drin.
Aber.
Hier meine herausforderndsten Szenarien:
- An einem Bootssteg entlanggehen. Er könnte in seiner tanzenden und springenden Art zu gehen aus Versehen einen Schritt zu weit in die falsche Richtung machen.
- Max möchte vom Steg aus Steine ins Wasser werfen. Was, wenn er das Gleichgewicht verliert und dem Stein hinterherfällt???
- Sommerhaus. Dort gibt es eine Plattform über dem Meer, von der eine Leiter hinunter ins Wasser führt. Diese Plattform ist weiiit über dem Meer. Und das Meer ist tiiiief. Und was, wenn ...?!?!
Zu meiner Verteidigung:
Punkt 1: Max kann noch nicht schwimmen.
Punkt 2: Ich kann nicht tauchen.
Fiele also Max ins Wasser, käme das einer Katastrophe gleich.
Was tue ich also? Ich versuche, diese Katastrophe mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern.
Und dabei verwandle ich mich in eine schreckliche Mama.
"Max, geh nicht zu weit zum Rand hinaus!!!"
"Konzentrier' dich!"
"Gemma ans Land Blaubeeren pflücken?!"
Diese Sätze sind Notwehr.
Wenn nichts anderes mehr geht.
Wenn meine mir selbst auferlegte Mauer der Gelassenheit zum Bröckeln beginnt.
Wenn mein besseres Wissen sich so unbeteiligt gibt als ginge es ihn nichts an.
Wenn die Panik aus den Poren kriecht.
"MAX...!!!"
Und was macht das mit Max?
Er schaut sich mich genau an.
Er glaubt mir.
Und er ist sehr, sehr vorsichtig.
Weg die kindliche Leichtigkeit.
Weg die Unbeschwertheit und die Ausgelassenheit, die Kinder im Wasser springen, tauchen, spritzen und lachen lässt.
Im Frühling sind wir in Stråkaviken gewesen. Dort gibt es einen kleinen Kiosk, einen Strand und einen Bootsanlegesteg für die Fischer. Max und ich sind diesen Steg rausgegangen. Daneben sind diese wunderschönen Steine gelegen, die geradezu geschrien haben: "Schmeiß mich ins Meer!" Max nimmt jedes Wesen in seinem Sein wahr, und natürlich - nach kurzem Blickkontakt mit mir hat er diese Steine genommen, sich an den Rand des Steges gestellt und sie mit lautem Platsch im Meer versenkt.
Und ich?
Ich habe mich festgeklammert an dem großen Stein, auf dem ich gesessen bin, und habe mich mit innerer Stimme angeschrien: "Birgit, nein! Tus nicht!"
Ok. Genug!
Das wars!
Ich hatte die Schnauze voll von mir!
Experten mussten her. Menschen, denen ich dieses Thema übergeben kann.
Die Lösung: Simskola. Schwimmkurs.
Denn sobald ich keine Angst mehr haben muss, dass Max untergeht, wenn er ins Wasser fällt, kann ich mich entspannt meinem Buch widmen und ihn sein Leben leben lassen.
Finnland ist super. Eine Simskola gibt es in ganz vielen Dörfern bei uns in der Gegend, beinahe an jedem Strand, und das Hin- und Herpendeln ist mit Bus- und Taxitransport voll organisiert und gratis.
Jede/r TeilnehmerIn bekommt ein kleines Heft mit unterschiedlichen Levels. Fast wie bei einem Computerspiel. Hat man die Anforderungen des ersten Levels geschafft, bekommt man ein Abzeichen und darf weitergehen zum nächsten Level. Es gibt insgesamt 6 Levels, glaube ich, und wenn man diese alle absolviert hat, kann man schwimmen. In allen erdenklichen Lagen und Positionen.
Puh.
Grundsätzlich hammas schon sehr gut miteinander, der Max und ich.
Und manchmal brauchts eben die Reißleine.
Pfiat enk und Hej då -
d' Birgit

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