14.07.23 - Ein Besuch und wie es gehen könnte
Max' Nichte ist auf Besuch.
Geheimnisse. Geflüster. Gemeinsame Projekte.
Sie spricht Finnisch, er Schwedisch.
Und es gibt keine Verständigungsprobleme.
Unglaublich, oder?
Ich sitze vor meinem Computer und versuche mich zu konzentrieren, und ertappe mich doch gleichzeitig dabei, wie ich anstatt zu denken und zu schreiben ihnen mit großen Augen und einem Lächeln im Gesicht zuhöre.
Kinder sagen Nein.
Und sie meinen Nein. Keine Verletzung. Keine Beleidigung. Kein Ja schon, aber.... Kein Sich-heraus-Winden. Kein Herumgedruckse.
Einfach: Nein.
Und sie hören: Nein. Und machen sich unmittelbar danach auf die Suche nach etwas anderem, das vielleicht ein Ja hervorrufen könnte.
Das ist eine Kunst, die es wert ist, sich anzueignen. Das Leben ließe sich bedeutend einfacher bewältigen.
Möchtest du eine Polizisten sein?
Möchtest du ein Marienkäfer sein?
Ich bin auf jeden Fall ein Bandit.
Geschichten.
Unfertig.
Im Entstehungsprozess.
Keiner weiß, wohin die Reise geht.
Spielen.
Ohne Ziel.
Um des Spielens willen.
Da hat sich einer gegen Kinder entschieden, weil er sie nicht der zukünftigen Welt aussetzen will.
Ich verstehe das.
Und ich höre diesen wunderbaren Kindern da im Raum unter mir zu und denke mir: Wenn jemand etwas verändern kann, dann sind sie es. Wir brauchen jedes einzelne unserer Kinder. Nicht einfach nur, weil sie süß und wunderbar sind. Ich meine das Wort "brauchen" ganz im ursprünglichen Sinne. Brauchen, weil es nicht ohne sie ginge.
Wir brauchen sie, weil sie es sind, die uns daran erinnern, was wichtig ist.
Sie sind frei im Kopf und frei im Tun.
Sie sind frei, um Unkonventionelles lebendig werden zu lassen.
Ihre Freiheit macht, dass sie den Ruf des Lebens hören. Und sie folgen ihm. Wenn wir sie lassen.
Und hier haben wir eine der größten Herausforderungen im Umgang mit Kindern.
Sie zu lassen.
Ihnen zu vertrauen.
Den Kindern nicht Egoismus und Zerstörungswut oder Entwicklungsstörungen zu unterstellen.
Stattdesssen ihren offenen Blick und ihre Neugierde sehen und sich daran erfreuen.
Ihre Begeisterung sehen, spüren und sich anstecken lassen.
Sich inspirieren lassen.
Sich einladen lassen.
Sich berühren lassen.
Sich einlassen.
Sich sein lassen.
Nehmen wir doch bitte diese Herausforderung an!
Es kann uns und der Welt und der Zukunft, vor der manchem graut, nichts Besseres passieren!
Ich glaube ganz echt, wenn wir uns vom gegenseitigen Kontrollzwang verabschieden, in der Beziehung zwischen uns Erwachsenen als auch in der Erwachsenen-Kind-Beziehung, dann kann etwas Wunderbares geschehen.
Mit einem gesunden, lebendigen JA zu dem, was für uns stimmig ist.
Und mit einem ebenso gesunden, lebendigen NEIN zu dem, was sich falsch anfühlt.
Wenn wir das beherzigen, dann sind wir schon mal ganz gut unterwegs, finde ich.
Aprobos unterwegs: Wir machen uns auf den Weg für ein paar Tage, weg von da, hin zu uns, ab in die Berge oder an den See - auf jeden Fall aber weg vom Computer.
Bis in Bälde!
Habts es guat!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

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